Sauberkeit in den eigenen vier Wänden – Weshalb zu hohe Hygiene auch nicht gut ist

Sauberkeit in den eigenen vier Wänden – Weshalb zu hohe Hygiene auch nicht gut ist

Keime schaden der Gesundheit. Und die schädlichen Mikroorganismen lauern überall. Nur der großzügige Gebrauch möglichst scharfer Putz- und Desinfektionsmittel kann vor dieser allgegenwärtigen Gefahr schützen. So das Bild, das die Werbeindustrie malt. Und das Geschäft boomt. Jede Familie verbraucht im Jahr durchschnittlich 64 Kilogramm Wasch- und Reinigungsmittel. Ist die Angst vor Vieren und Bakterien im eigenen Zuhause gerechtfertigt? Sind Bakterien wirklich so schlecht wie ihr Ruf? Oder darf der Putzlappen ruhig einmal liegen bleiben?

Wenn Putzen zum Zwang wird

Hygiene dient dem Schutz vor Krankheiten und dem Erhalt der Gesundheit. Noch im 19. Jahrhundert spielte Hygiene kaum eine Rolle. Dies führte zu einem hohen Infektionsrisiko. Auf Sauberkeit zu achten ist also äußerst sinnvoll. Die Angst vor Schmutz und Bakterien kann allerdings auch überhandnehmen und zu einem regelrechten Putzzwang führen. Dabei ist das permanente Waschen und Putzen überhaupt nicht notwendig. Dass es unmöglich ist, alle Bakterien zu 100 Prozent abzutöten, mag für Hygienefanatiker eine gruselige Vorstellung sein. Tatsächlich helfen viele Bakterien dabei die Infektabwehr intakt zu halten.

Bakterien sind nicht immer böse

Haeufig Haende waschen! | © panthermedia.net / Matthew Benoit
Haeufig Haende waschen! | © panthermedia.net / Matthew Benoit

Es gibt sowohl böse, als auch gute Bakterien. Während die schlechten Bakterien unsere Gesundheit gefährden können, helfen andere Bakterien den Säureschutzmantel auf unserer Haut zu erhalten oder sie unterstützen den Darm bei seiner Tätigkeit. Außerdem trainieren sie das Immunsystem für den Ernstfall. Sie sind also gut für unsere Gesundheit.

Worauf ist beim Putzen also zu achten?

Um die Wohnung sauber zu halten, reichen übliche Haushaltsreiniger vollkommen aus. Eine Desinfektion ist im Normalfall unnötig. Und die Wohnung muss auch nicht jeden Tag von oben bis unten gewienert werden. Sinnvoll ist es, die Keime, die wir mit nach Hause bringen, zu beseitigen bevor sie sich in der Wohnung verteilen. Dabei helfen folgende Maßnahmen:

  • Schuhe ausziehen beim Betreten der Wohnung
  • regelmäßiges Händewaschen
  • Geschirrtücher und Putzlappen regelmäßig austauschen und waschen
  • sachgemäße Lagerung von Lebensmitteln

 

Da sich Keime in feuchter Umgebung am wohlsten fühlen, sind es also ausgerechnet die Putzlappen, die eine besonders hohe Keimzahl aufweisen. Darum ist hier besonders auf Hygiene zu achten. Befeuchtete Geschirrschwämme können zum Beispiel in der Mikrowelle sterilisiert werden. Und auch auf Lebensmitteln fühlen sich Bakterien wohl. Hohe Temperaturen töten diese Bakterien ab. Eine saubere Umgebung hilft die Gesundheit zu erhalten. Klinisch rein sollte sie aber nicht sein. Übertriebene Hygiene schwächt das Immunsystem. Das Abwehrsystem kommt mit einer gewissen Keimbelastung prima zurecht. Mehr noch: Sie bietet die Gelegenheit die Immunabwehr zu trainieren und so Krankheitserreger besser bekämpfen zu können. Kinder, die in einer übertrieben sauberen Umgebung aufwachsen sind oft anfälliger für Infektionskrankheiten und leiden häufiger unter Allergien.

Fazit

Staub Staub sein lassen | © panthermedia.net / Nomadsoul1
Staub Staub sein lassen | © panthermedia.net / Nomadsoul1

Es ist doch eigentlich eine gute Nachricht, dass die eigenen vier Wände keineswegs steril gehalten werden müssen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Weniger Putzen spart Arbeit, Zeit und Geld für überflüssige Reinigungsmittel. Und es kommt noch besser. Kinder, die auch mal im Dreck spielen dürfen, haben stärkere Abwehrkräfte, werden seltener krank und leiden weniger häufig unter Allergien. Besonders von dem Gebrauch von Desinfektionsmitteln in Privathaushalten ist abzuraten. Sie sind nicht nur wenig hilfreich, sondern wirken eher kontraproduktiv. Statt vor Krankheitserregern zu schützen, vernichten sie nützliche Mikroorganismen und führen zu Resistenzen vor krankmachenden Bakterien. Außerdem enthalten sie Stoffe, die unserem Körper gefährlich werden können.

Ein weiterer positiver Effekt, den der verminderte Einsatz von Putzmitteln mit sich bringt, ist der Umweltschutz. Sämtliche verwendete Reinigungsmittel landen irgendwann im Abwasser. Und selbst moderne Kläranlagen sind nicht in der Lage alle Schadstoffe aus dem Wasser zu filtern. So gelangen diese Stoffe schlussendlich auch ins Grundwasser.
Es gibt also genug Gründe sich einfach mal entspannt zurückzulehnen und den Schmutz einfach Schmutz sein zu lassen.

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